Übersicht
Reisedurchfall (Travelers' Diarrhea) ist die häufigste reiseassoziierte Erkrankung und betrifft 20–60% der Reisenden in Entwicklungsländer. Meist selbstlimitierend (3–5 Tage), hauptsächlich durch enterotoxische E. coli (ETEC) verursacht. Orale Rehydratation ist die wichtigste Therapiemaßnahme.
Symptome
Symptome | Häufigkeit | Schweregrad | Beginn |
|---|---|---|---|
| Durchfall | 100% | Mäßig | Frühphase |
| Bauchkrämpfe | 80% | Mäßig | Frühphase |
| Übelkeit | 50% | Leicht | Frühphase |
| Erbrechen | 25% | Leicht | Frühphase |
| Dehydratation | 40% | Mäßig | Höhepunkt |
| Blutige Diarrhö | 15% | Schwer | Höhepunkt |
| Blut im Stuhl | 12% | Schwer | Höhepunkt |
| Schüttelfrost | 10% | Leicht | Höhepunkt |
| Myalgie | 20% | Leicht | Höhepunkt |
| Müdigkeit | 50% | Leicht | Spätphase |
| Verstopfung | 5% | Leicht | Spätphase |
| Bauchschmerzen | 60% | Leicht | Jede Phase |
| Blähungen | 45% | Leicht | Jede Phase |
| Appetitlosigkeit | 65% | Leicht | Jede Phase |
| Krankheitsgefühl | 55% | Leicht | Jede Phase |
| Fieber | 20% | Leicht | Jede Phase |
| Kopfschmerzen | 30% | Leicht | Jede Phase |
Übertragung
Übersicht
Reisedurchfall ist die häufigste Reiseerkrankung und betrifft 30–70 % der Reisenden in Hochrisikogebiete. Hauptsächlich durch bakterielle Erreger verursacht, insbesondere enterotoxigene E. coli (ETEC) (30–60 % der Fälle). Meist selbstlimitierend (3–5 Tage), aber kann Reisepläne erheblich stören.
Übersicht
Reisedurchfall (engl. travelers' diarrhea, TD) bezeichnet ein Syndrom gastrointestinaler Beschwerden, das während oder kurz nach einer Reise in Regionen mit niedrigerem Hygienestandard auftritt. Es handelt sich um die häufigste Gesundheitsstörung bei Reisenden — betroffen sind 20–60% der Personen, die aus Hocheinkommensländern in Entwicklungsländer reisen, abhängig von Reiseziel, Jahreszeit und Ernährungsverhalten.
Ätiologie — häufigste Erreger:
Bakterien (80–90% der Fälle):
-
Enterotoxische Escherichia coli (ETEC) — 30–60% aller Fälle, weltweit häufigste Ursache
-
Enteroaggregative E. coli (EAEC) — zunehmende epidemiologische Bedeutung
-
Campylobacter jejuni — dominiert in Südostasien (bis zu 40% der Fälle)
-
Salmonella spp. (nicht-typhös) — 5–10%
-
Shigella spp. — verursacht bakterielle Dysenterie (blutige Durchfälle)
-
Aeromonas, Plesiomonas, Vibrio (außer V. cholerae)
Viren (5–15%):
-
Noroviren — besonders auf Kreuzfahrtschiffen und in Ferienanlagen
-
Rotaviren, enterische Adenoviren, Astroviren
Parasiten (5–10%, häufiger bei chronischen Verläufen):
-
Giardia lamblia — häufigster Parasit, besonders in Zentralasien, Russland, Gebirgsgewässern
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Cryptosporidium parvum — chlorresistent
-
Entamoeba histolytica — Amöbiasis, Südasien, Afrika
-
Cyclospora cayetanensis — Nepal, Peru, saisonal
Übertragungsweg: Fäkal-oral — Aufnahme von kontaminiertem Wasser oder Lebensmitteln (rohes Gemüse mit verunreinigtem Wasser gewaschen, Eiswürfel, unpasteurisierte Getränke, Meeresfrüchte, Straßenessen).
Notfallzeichen
Symptome, die sofortige ärztliche Hilfe erfordern:
-
Schwere Dehydratation: Sehr trockene Schleimhäute, fehlende Urinausscheidung über >8 Stunden, Tachykardie (>100/min), Hypotonie, Schwindel beim Aufstehen, Benommenheit oder Verwirrtheit
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Blutige Diarrhö: Blut oder Schleim im Stuhl — Hinweis auf invasive Infektion (Shigella, E. histolytica, Campylobacter); erfordert Antibiotikatherapie und Diagnostik
-
Hohes Fieber: >39°C über >48 h anhaltend — Ausschluss von Malaria (in Endemiegebieten), Typhus, Sepsis erforderlich
-
Durchfall bei Kindern <2 Jahre: Rasche Dehydratation; Warnsignale: eingesunkene Fontanelle, Weinen ohne Tränen, Lethargie, >6 wässrige Stühle/24 h
-
Anhaltendes Erbrechen, das die orale Flüssigkeitsaufnahme unmöglich macht
-
Starke Bauchschmerzen mit Abwehrspannung — Risiko chirurgischer Komplikationen
-
Symptome >7 Tage ohne Besserung trotz symptomatischer Therapie
-
Personen mit chronischen Erkrankungen: Diabetes mellitus (Hypoglykämierisiko), Niereninsuffizienz, Immunsuppression, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Detaillierte Symptome
Häufigste Anzeichen und Symptome
Die Symptome des Reisedurchfalls treten meist innerhalb der ersten 2–3 Tage nach Ankunft auf (können vom ersten Tag bis 2 Wochen nach Anreise auftreten):
Klassischer Reisedurchfall (leichte bis mittelschwere Form):
-
≥3 ungeformte oder wässrige Stühle innerhalb von 24 Stunden — definierendes Kriterium
-
Krampfartige Bauchschmerzen (Darmkoliken) — bei 50–75% der Betroffenen
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Übelkeit — bei 10–50% der Betroffenen
-
Plötzlicher Stuhldrang (Urgenz)
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Blähungen, Flatulenz
-
Meist kein Fieber
-
Dauer: 3–5 Tage (selbstlimitierend)
Mittelschwere Form:
-
4–5 ungeformte Stühle/24 h
-
Krampfartige Bauchschmerzen, die normale Aktivitäten beeinträchtigen
-
Leichtes Fieber (<38,5°C) bei einem Teil der Patienten
-
Erbrechen (selten)
Schwere Form (invasive Diarrhö/Dysenterie):
-
≥6 ungeformte Stühle/24 h oder Blut/Schleim im Stuhl
-
Fieber ≥38,5°C
-
Starke Bauchschmerzen, Tenesmus (schmerzhafter Stuhldrang)
-
Dehydratation (trockene Schleimhäute, verminderte Urinausscheidung, Schwindel)
-
Deutet auf invasive Erreger hin: Shigella, Campylobacter, Salmonella, Entamoeba histolytica
Chronische Diarrhö (>14 Tage):
-
Hinweis auf parasitäre Infektion (Giardia, Cryptosporidium), postinfektiöses Reizdarmsyndrom oder andere nicht-infektiöse Ursache
-
Labordiagnostik erforderlich
Die Kenntnis der Symptome ist der erste Schritt zu einer schnellen Reaktion.
Krankheitsverlauf
Typischer Krankheitsverlauf:
- Beginn: In der Regel innerhalb der ersten 1–2 Reisewochen. Abrupter Beginn von wässrigem Durchfall (3+ ungeformte Stühle in 24 Stunden), Bauchkrämpfe, Stuhldrang, Übelkeit.
- Höhepunkt (Tage 1–3): 4–8 wässrige Stühle pro Tag. Leichtes Fieber bei ~15 %. Blutiger Durchfall bei <10 % (deutet auf invasiven Erreger hin: Shigella, Campylobacter, Salmonella).
- Resolution (Tage 3–5): Spontane Besserung. Stuhlfrequenz und -konsistenz normalisieren sich.
- Rekonvaleszenz: Appetit kehrt zurück. Milde abdominelle Beschwerden können 1–2 Wochen anhalten.
Häufige Erreger:
-
Bakteriell (80–85 %): ETEC (am häufigsten), Campylobacter, Salmonella, Shigella.
-
Viral (5–15 %): Norovirus.
-
Parasitär (5–10 %): Giardia, Cryptosporidium, Entamoeba (längere Inkubationszeit, prolongierte Symptome).
Behandlungsprinzipien: Orale Rehydrierung an erster Stelle. Loperamid zur Symptomlinderung (nur bei nicht-blutigem Durchfall). Azithromycin (empirisches Antibiotikum bei Bedarf).
Diagnose
Wie diese Krankheit diagnostiziert wird
Die Diagnostik des Reisedurchfalls ist in den meisten Fällen klinisch. Laboruntersuchungen sind bei schweren, prolongierten oder blutigen Verläufen indiziert:
Standardvorgehen (leichter/mittelschwerer Durchfall):
-
Klinische Diagnose anhand der Symptome und Reiseanamnese — Laboruntersuchungen meist nicht erforderlich
-
Selbstbeurteilung des Hydratationszustands (Hautturgor, Miktionshäufigkeit, Urinfarbe)
Indikationen zur Labordiagnostik:
-
Blutige Diarrhö (Dysenterie)
-
Fieber >38,5°C über >48 Stunden
-
Durchfall >7 Tage ohne Besserung
-
Durchfall >14 Tage (chronisch)
-
Schwere Dehydratation
-
Immunsupprimierte Personen
Laboruntersuchungen:
-
Stuhlkultur: Nachweis von Salmonella, Shigella, Campylobacter, E. coli O157:H7
-
Dauer: 48–72 h
-
Multiplex-PCR-Stuhlpanels (z.B. FilmArray GI): Schneller Nachweis von 22+ Erregern (Bakterien, Viren, Parasiten) in <2 h
-
zunehmend verfügbar
-
vom CDC bei Durchfall >7 Tage empfohlen
-
Parasitologische Stuhluntersuchung (3× aus aufeinanderfolgenden Tagen): Mikroskopie auf Giardia, Cryptosporidium, E. histolytica
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Sensitivität steigt bei Mehrfachentnahme
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Giardia-Antigen im Stuhl: Immunochromatographischer Schnelltest
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Sensitivität >90%
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C.-difficile-Toxintest: Bei Durchfall nach Antibiotikatherapie
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Calprotectin im Stuhl: Entzündungsmarker
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hilft bei der Differenzierung zwischen infektiöser und funktioneller Diarrhö
Differentialdiagnosen: Enterische Infektionen (viral, bakteriell, parasitär), Lebensmittelvergiftung, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED), Reizdarmsyndrom, Laktoseintoleranz, Malaria (kann sich mit Durchfall manifestieren), medikamenteninduzierte Diarrhö.
Behandlung
Verfügbare Behandlungsmethoden
Die Behandlung des Reisedurchfalls richtet sich nach der Schwere der Symptome. Oberstes Ziel ist die Vermeidung von Dehydratation und Verkürzung der Krankheitsdauer:
Rehydratation (wichtigste Therapiemaßnahme):
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Orale Rehydratationslösung (ORS): Goldstandard. Zusammensetzung nach WHO: 75 mEq/L Natrium, 75 mmol/L Glukose, Osmolarität 245 mOsm/L. In Apotheken weltweit erhältlich (z.B. Elotrans, Oralpädon)
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Selbstherstellung: 1 Liter abgekochtes Wasser + 6 Teelöffel Zucker + ½ Teelöffel Salz (ungefähre Zusammensetzung)
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In kleinen Schlucken, häufig trinken (alle 5–10 Minuten)
-
Menge bei Erbrechen erhöhen
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Fruchtsäfte und kohlensäurehaltige Getränke vermeiden (hyperosmolar — können Durchfall verstärken)
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Bei schwerer Dehydratation — intravenöse Flüssigkeitsgabe (0,9% NaCl oder Ringer-Lösung)
Leichte Form (1–2 ungeformte Stühle, kein Fieber):
-
ORS + Schonkost (Reis, Bananen, Cracker, Brühe)
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Loperamid (Imodium): 4 mg Initialdosis, dann 2 mg nach jedem ungeformten Stuhl (max. 16 mg/Tag)
-
Linderung innerhalb von 1–2 h
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Kontraindikationen für Loperamid: blutige Diarrhö, Fieber >38,5°C, Verdacht auf C. difficile
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Dauer: selbstlimitierend, meist 24–48 h
Mittelschwere Form (3–5 Stühle, Bauchschmerzen, Aktivitätseinschränkung):
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ORS + Loperamid + einmalige Antibiotikagabe oder 3-Tage-Kur
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Azithromycin: 1000 mg einmalig oder 500 mg/Tag über 3 Tage — Mittel der ersten Wahl (wirksam gegen Campylobacter, häufig in Asien)
-
Rifaximin: 200 mg 3× täglich über 3 Tage — Alternative bei nicht-invasiver (wässriger) Diarrhö
-
wird nicht systemisch resorbiert
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Kombination Loperamid + Antibiotikum: schnellste Symptombesserung (Median: 11 h)
Schwere Form (≥6 Stühle, Blut/Schleim, Fieber, Dehydratation):
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Azithromycin: 1000 mg einmalig — Erstlinientherapie
-
Fluorchinolone (Ciprofloxacin 500 mg 2×/d × 3 Tage): Wirksam, aber zunehmende Resistenz in Südostasien (Campylobacter — Resistenz >80%)
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vorwiegend in Afrika und Lateinamerika einsetzen
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Intravenöse Rehydratation bei Bedarf
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Loperamid bei blutiger Diarrhö NICHT anwenden
Chronische Diarrhö (>14 Tage):
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Labordiagnostik obligat
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Metronidazol 250 mg 3× täglich × 5–7 Tage (bei Giardiasis) oder Tinidazol 2 g einmalig
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Bei postinfektiösem Reizdarmsyndrom: Low-FODMAP-Diät, Probiotika (begrenzte Evidenz)
Die meisten Fälle werden bei früher Diagnose wirksam behandelt.
Präventionsdetails
Wie Sie sich schützen können
Lebensmittel- und Wasserhygiene (wirksamste Prävention): Grundregel: „Koch es, brat es, schäl es — oder vergiss es" (engl. „boil it, cook it, peel it, or forget it"):
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Wasser: Nur Flaschenwasser (Verschluss auf Unversehrtheit prüfen), abgekochtes Wasser (1 Min. Kochen, in Höhen >2.000 m — 3 Min.) oder desinfiziertes Wasser (Jod-/Chlortabletten, Keramikfilter <0,2 μm) trinken
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Eiswürfel: Eis in Getränken vermeiden (Einfrieren tötet Erreger NICHT ab)
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Eis aus Flaschenwasser akzeptabel
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Gekochte Speisen: Heiß servierte, frisch zubereitete Speisen bevorzugen
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Buffets meiden, bei denen Speisen bei Raumtemperatur stehen
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Obst und Gemüse: Selbst unmittelbar vor dem Verzehr schälen
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keine Salate essen
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Meeresfrüchte: Rohe Muscheln, Austern, Sushi von Straßenständen vermeiden
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Milchprodukte: Nur pasteurisierte Milch trinken
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Speiseeis aus unsicheren Quellen meiden
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Straßenessen: Höheres Risiko, aber heiß vor den Augen des Kunden zubereitete Speisen können sicher sein
Händehygiene:
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Händewaschen mit Seife und Wasser für ≥20 Sekunden vor jeder Mahlzeit und nach Toilettenbesuch
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Alkoholbasierte Händedesinfektionsmittel (≥60%) als Alternative, wenn kein Wasser verfügbar
Medikamentöse Prophylaxe (eingeschränkte Indikationen):
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Bismutsubsalicylat (Pepto-Bismol): 2 Tabletten 4× täglich
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senkt das Risiko um ~50%
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Schwarzfärbung von Stuhl und Zunge (normal)
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kontraindiziert bei Salicylatallergie, gleichzeitiger Einnahme von Doxycyclin oder Warfarin
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nicht >3 Wochen
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Antibiotische Prophylaxe: NICHT routinemäßig empfohlen (Resistenzrisiko, Nebenwirkungen, C. difficile)
-
nur bei schwerer Immunsuppression, CED oder kritischen Dienstreisen erwägen
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Rifaximin prophylaktisch: 200 mg 1–3×/d
-
Wirksamkeit ~70%
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sicher, nicht resorbierbar
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in Einzelfällen erwägen
Probiotika:
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Saccharomyces boulardii, Lactobacillus GG — moderate Evidenz für Risikoreduktion (~15%)
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sicher
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einige Leitlinien befürworten den Einsatz
Vorbereitung ist der beste Schutz.
Reisehinweise
Risikobewertung vor der Reise:
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Das Risiko für Reisedurchfall hängt von Reiseziel, Reisestil, Aufenthaltsdauer und individueller Anfälligkeit ab
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Reisemedizinische Beratung empfohlen vor Reisen in Hochrisikoregionen
Vor der Reise — Reiseapotheke zusammenstellen:
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Orale Rehydratationslösung (ORS) — Portionsbeutel (leicht, haltbar)
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Loperamid (Imodium) — für den Fall nicht-invasiver Durchfälle
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Azithromycin 500 mg — 3 Tabletten (Dosis für einmalige oder 3-tägige Behandlung)
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Rezept vom Reisemediziner
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Fieberthermometer
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Händedesinfektionsgel (≥60% Alkohol)
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Wasserdesinfektionstabletten (für den Fall, dass kein Flaschenwasser verfügbar ist)
Während der Reise:
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Grundregel „Koch es, brat es, schäl es — oder vergiss es" — wirksamste Prävention
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Leitungswasser, Eiswürfel, rohe Salate, vorgeschältes Obst, unpasteurisierte Getränke meiden
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Heiß servierte, frisch zubereitete Speisen bevorzugen
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Hände vor jeder Mahlzeit waschen
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Desinfektionsgel verwenden
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Restaurants mit höherem Standard bevorzugen
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„All-inclusive"-Buffets mit stehenden Speisen meiden
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Straßenessen: heiß vor den Augen zubereitete Speisen können sicher sein
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rohe Beilagen meiden
Selbstbehandlung bei Symptombeginn:
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Leichter Durchfall (1–3 Stühle, kein Fieber): ORS + Loperamid
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meist Besserung in 24–48 h
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Mittelschwer (4–5 Stühle, Schmerzen): ORS + Loperamid + Azithromycin einmalig
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Schwer (≥6 Stühle, Blut, Fieber): Azithromycin + ärztliche Hilfe suchen
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Loperamid NICHT anwenden
Nach der Rückkehr:
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Durchfall >14 Tage nach Rückkehr — ärztliche Vorstellung (Ausschluss parasitärer Infektionen, tropische Sprue)
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RDS-Symptome nach TD — gastroenterologische Konsultation
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Den Arzt über besuchte Länder und Dauer der Symptome informieren
Wie häufig ist es?
Statistiken und geografische Daten
Reisedurchfall ist die häufigste Erkrankung bei Reisenden in Entwicklungsländer. Epidemiologische Daten:
Häufigkeit:
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20–60% der Reisenden aus Hocheinkommensländern in Länder mit niedrigem/mittlerem Einkommen
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Geschätzt 10–20 Millionen Fälle jährlich weltweit
Hochrisikoregionen (Häufigkeit 30–60%):
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Südasien (Indien, Nepal, Bangladesch) — weltweit höchstes Risiko
-
Subsahara-Afrika (West- und Ostafrika)
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Mittelamerika und nördliches Südamerika
Regionen mit mittlerem Risiko (15–30%):
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Südostasien (Thailand, Vietnam, Indonesien)
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Naher Osten (außer Israel)
-
Südeuropa (Küstengebiete — leicht erhöht)
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China, Russland
Niedrigrisikoregionen (<10%):
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Nord- und Westeuropa
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Nordamerika (USA, Kanada)
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Australien, Neuseeland, Japan
Individuelle Risikofaktoren:
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Alter: Junge Erwachsene (20–30 Jahre) — höheres Risiko (abenteuerliches Essverhalten, riskantere Verhaltensweisen); Kinder <5 Jahre — höheres Risiko schwerer Dehydratation
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Genetische Polymorphismen: Blutgruppe-O-Träger — höheres Risiko für ETEC-Durchfall und Cholera
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Protonenpumpeninhibitoren (PPI): Verringerter Magen-pH → Wegfall der Säurebarriere
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Immunsuppression: HIV, Chemotherapie, Kortikosteroide
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Frühere TD-Episoden: Kein vollständiger Schutz (verschiedene Erreger)
Saisonalität:
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Regenzeit/Sommer in den Tropen — erhöhte Übertragung
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Indischer Subkontinent: Monsun (Juli–September) — Erkrankungsgipfel
Daten aus Deutschland (RKI):
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Reisedurchfall ist in Deutschland nicht meldepflichtig
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Schätzungen: 20–40% der deutschen Touristen in tropische Länder erleiden TD
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Häufigste Risikodestinationen für Deutsche: Ägypten, Türkei, Indien, Thailand, Mexiko, Tunesien, Marokko
Risikofaktoren
Wer am meisten gefährdet ist
Reise in LMIC, junges Alter, Abenteuerreisen, PPI-Einnahme (reduzierte Magensäurebarriere), Immunsuppression, Street-Food-Konsum, unvorsichtiger Umgang mit Wasser/Nahrung.
Komplikationsdetails
Mögliche Komplikationen
Reisedurchfall verläuft meist mild und selbstlimitierend, kann aber zu Komplikationen führen, insbesondere bei Kindern, älteren Menschen und Immunsupprimierten:
Akute Komplikationen:
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Dehydratation: Häufigste und gefährlichste Komplikation, besonders bei Kleinkindern und älteren Menschen. Symptome: trockene Schleimhäute, verminderte Urinausscheidung, Tachykardie, orthostatische Hypotonie, im Extremfall hypovolämischer Schock
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Elektrolytstörungen: Hypokaliämie (Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen), Hyponatriämie, metabolische Azidose
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Krankenhausaufnahme: 1–3% der Reisenden mit TD benötigen medizinische Hilfe
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<0,5% müssen stationär behandelt werden
Chronische Komplikationen:
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Postinfektiöses Reizdarmsyndrom (PI-RDS): 3–17% der Patienten nach TD
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Symptome (Bauchschmerzen, Blähungen, Stuhlunregelmäßigkeiten) können Monate bis Jahre anhalten
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höheres Risiko nach Campylobacter- und Shigella-Infektion
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Postinfektiöse funktionelle Dyspepsie: Völlegefühl, frühes Sättigungsgefühl, Oberbauchbeschwerden
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Laktoseintoleranz (vorübergehend): Schädigung der Dünndarmzotten durch Infektion
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Rückbildung innerhalb von Wochen bis Monaten
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Reaktive Arthritis: Selten
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vorwiegend nach Salmonella, Shigella, Campylobacter, Yersinia
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bei HLA-B27-Trägern (2–3% Risiko)
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Guillain-Barré-Syndrom: Seltene, aber schwerwiegende neurologische Komplikation nach Campylobacter-jejuni-Infektion (1 von 1.000–3.000 Infektionen)
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akute aufsteigende motorische Polyneuropathie
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Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS): Nach Infektion mit E. coli O157:H7 (Shiga-Toxin-produzierend)
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vorwiegend bei Kindern
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Nierenversagen, hämolytische Anämie, Thrombozytopenie
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Tropische Sprue: Bei Langzeitaufenthalt in den Tropen
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Malabsorption, megaloblastäre Anämie
Genesung & Aussichten
Erwartete Ergebnisse und Genesung
Ausgezeichnete Prognose. Selbstlimitierend bei >90 % der Fälle innerhalb von 3–5 Tagen.
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Die meisten Fälle sind mild bis moderat und heilen ohne spezifische Behandlung ab.
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Dehydrierung ist das Hauptrisiko (insbesondere bei Kindern, älteren Personen und Patienten mit chronischen Erkrankungen).
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Antibiotikatherapie verkürzt die Dauer von 3–5 Tagen auf 1–2 Tage.
Postinfektiöses Reizdarmsyndrom: 3–17 % der Reisedurchfall-Fälle entwickeln ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom (PI-IBS), das Monate bis Jahre andauern kann.
Seltene schwere Komplikationen: Hämolytisch-urämisches Syndrom (HUS) bei STEC, reaktive Arthritis (Salmonella, Shigella, Campylobacter), Guillain-Barré-Syndrom (Campylobacter).
Ätiologie beeinflusst die Dauer: Viral: 1–3 Tage. Bakteriell: 3–5 Tage. Parasitär (Giardia, Cryptosporidium): Wochen bei ausbleibender Behandlung.