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Brauche ich eine Tollwutimpfung vor der Reise?

12. Mai 202612 Min.Von Medova
Evidence basis
WHO Position Paper on Rabies Vaccines (2018)WHO Expert Consultation on Rabies — Technical Report (2018)CDC Yellow Book 2026 — RabiesLancet Infectious Diseases 2024: Global Burden of Rabies

"Brauche ich eine Tollwutimpfung vor der Reise?" ist eine der meistdiskutierten Fragen in der Reisemedizin. Tollwut ist zu 99,9 % toedlich, sobald Symptome auftreten — damit ist sie die toedlichste Infektionskrankheit der Welt. Doch der Impfstoff ist teuer, erfordert mehrere Dosen und die meisten Reisenden begegnen nie einem tollwuetigen Tier. Wer braucht ihn also wirklich?

Die kurze Antwort: Wenn Sie in Hochrisikoländer in Asien oder Afrika reisen — insbesondere ländliche Gebiete, Tempel mit Affen oder Orte mit streunenden Hunden — wird eine praeexpositionelle Tollwutimpfung dringend empfohlen. Hier ist das vollständige Bild.

Tollwut in Zahlen (WHO 2025)

Tollwuttote pro Jahr weltweit

59.000

Sterblichkeitsrate bei Symptomen

99,9 %

Opfer sind Kinder unter 15

40 %

Todesfaelle in Asien und Afrika

95 %

Was ist Tollwut und warum ist sie so gefaehrlich?

Tollwut ist eine virale Enzephalitis (Gehirnentzuendung), verursacht durch das Tollwutvirus (Lyssavirus), uebertragen durch den Speichel infizierter Säugetiere — meist durch Bisse, aber auch durch Kratzer oder Lecken auf verletzter Haut. Das Virus wandert entlang der Nerven von der Wundstelle zum Gehirn. Sobald neurologische Symptome auftreten (Hydrophobie, Verwirrtheit, Laehmung), ist der Tod innerhalb weniger Tage praktisch sicher.

Tollwut ist praktisch zu 100 % toedlich

Tollwut hat die höchste Fallsterblichkeitsrate aller Infektionskrankheiten. Es gibt weniger als 20 dokumentierte Ueberlebende einer symptomatischen Tollwut in der Medizingeschichte. Der EINZIGE Weg, eine Tollwut-Exposition zu ueberleben, ist die Postexpositionsprophylaxe (PEP), die VOR dem Auftreten von Symptomen begonnen wird. Die Praeexpositionsimpfung verschafft Ihnen kritische Zeit.

Wie Tollwut uebertragen wird

Bisse: Hunde (99 % der menschlichen Faelle), Katzen, Affen, Fledermaeuse, Waschbaeren, Fuechse. Kratzer: von infizierten Tieren (Speichel an Krallen). Lecken: auf offenen Wunden oder Schleimhaeuten (Augen, Mund). NICHT uebertragen: durch intakte Haut, ueber die Luft (ausser Fledermaushhöhlen), von Mensch zu Mensch (extrem selten).

Wer sollte vor der Reise gegen Tollwut geimpft werden?

Die praeexpositionelle Tollwutimpfung (PrEP) macht eine Behandlung nach einem Biss nicht ueberfluessig — aber sie vereinfacht sie dramatisch und verschafft kritische Zeit in Gebieten, in denen die Behandlung schwer zu finden ist.

Wer braucht eine praeexpositionelle Tollwutimpfung

Dringend empfohlen

Hohe Wahrscheinlichkeit einer Tierexposition oder eingeschränkter Zugang zu PEP

  • Reisende nach Indien, Nepal, Bangladesch — weltweit höchste Tollwutbelastung
  • Südostasien-Reisende, die Tempel besuchen (Affenbisse in Angkor Wat, Ubud, Lopburi)
  • Kinder jeden Alters in Endemiegebieten (können Tieren nicht immer ausweichen)
  • Radfahrer, Laeufer, Wanderer im ländlichen Asien oder Afrika
  • Langzeitreisende (>1 Monat) in Hochrisikoländern
  • Tieraerzte und Tierpfleger
  • Reisende in abgelegene Gebiete >24 Stunden von zuverlässiger medizinischer Versorgung entfernt

Empfohlen — mit Reisearzt besprechen

Maessiges Risiko je nach Aktivitaeten

  • Kurzzeit-Touristen in Südostasien, China, Subsahara-Afrika
  • Abenteuerreisende (Höhlenbesuche, Wildtierbegegnungen)
  • Reisende nach Indonesien (einschliesslich Bali — Affenwald)
  • Reisende auf die Philippinen, nach Vietnam, Kambodscha

Im Allgemeinen nicht notwendig

Geringes Tollwutrisiko oder zuverlässiger PEP-Zugang

  • Reisende nach Westeuropa, Japan, Australien, Neuseeland
  • Rein staedtische Reisen in Niedrigrisikoländer
  • Kreuzfahrtpassagiere mit begrenzter Landzeit
  • Hinweis: Fledermaus-Tollwut existiert auch in tollwutfreien Ländern — Höhlenforscher sollten die Impfung erwägen

Länder mit dem höchsten Tollwutrisiko

Indien verzeichnet ~36 % der weltweiten Tollwuttodesfaelle (~20.000/Jahr). Südostasien ist insgesamt die Region mit dem zweithöchsten Risiko. Wichtigste Hochrisikoländer:

Länder mit dem höchsten Risiko für Reise-Tollwutexposition

  • Indien — 20.000+ Todesfaelle/Jahr, streunende Hunde ueberall, Tempel mit Affen
  • Bangladesch, Pakistan, Nepal — ähnliches Risikoprofil wie Indien
  • Myanmar, Kambodscha, Laos — eingeschränkte PEP-Verfügbarkeit in ländlichen Gebieten
  • Philippinen — 200–300 Tollwuttodesfaelle/Jahr, schlecht kontrollierte Hundepopulation
  • Indonesien (einschliesslich Bali) — Affenbisse in Ubud und Tempeln
  • Vietnam, Thailand — niedrigere Todesraten, aber streunende Hunde häufig
  • China — rücklaeufig, aber weiterhin signifikant, besonders in ländlichen Gebieten
  • Subsahara-Afrika — Kenia, Tansania, Äthiopien, Nigeria (hundeuebertragene Tollwut)

Praeexpositions-Tollwutimpfstoff: Schema, Wirksamkeit & Kosten

Praeexpositionsschema (PrEP)

WHO 2018 aktualisiertes Schema (2 Dosen)

Zwei Dosen: Tag 0 und Tag 7. Intramuskulaer (Deltamuskel) oder intradermal. Dieses vereinfachte 2-Dosen-Schema wurde von der WHO 2018 empfohlen und wird jetzt von den meisten Reisemedizin-Autoritaeten akzeptiert. Erzeugt eine adaequate Antikörperantwort bei >99 % der gesunden Erwachsenen. Eine Auffrischung wird vor erneuter Exposition empfohlen, wenn die Antikörperspiegel sinken.

Traditionelles Schema (3 Dosen)

Drei Dosen: Tag 0, 7 und 21–28. Wird in vielen Ländern und von einigen Klinikern weiterhin verwendet. Etwas immunogener als das 2-Dosen-Schema. Von den nationalen Richtlinien mancher Länder verlangt (z. B. US-CDC empfiehlt weiterhin 3 Dosen für bestimmte Risikogruppen).

Warum die Praeexpositionsimpfung wichtig ist

Die Praeexpositionsimpfung bedeutet NICHT, dass Sie nach einem Biss keine Behandlung benötigen. Aber sie bietet zwei entscheidende Vorteile:

Vorteil 1: Vereinfachte Postexpositionsbehandlung

OHNE PrEP: Sie benötigen 4–5 Impfdosen PLUS Tollwut-Immunglobulin (RIG) — ein teures, oft nicht verfügbares Blutprodukt, das in die Wunde injiziert werden muss. MIT PrEP: Sie benötigen nur 2 Auffrischungsdosen (Tag 0 und 3). Kein Immunglobulin erforderlich. Dies ist oft der Unterschied zwischen zugänglicher und unzugänglicher Behandlung.

Vorteil 2: Verschafft kritische Zeit

Ohne PrEP muss PEP so schnell wie möglich nach Exposition beginnen — idealerweise innerhalb von Stunden, spaetestens innerhalb von Tagen. Mit PrEP reagiert das Immunsystem schneller auf Auffrischungsdosen und verschafft Ihnen mehr Zeit, um eine zuverlässige medizinische Einrichtung zu erreichen. Das kann in abgelegenen Gebieten lebensrettend sein.

Kostenerwägungen

Der Tollwutimpfstoff gehört zu den teuersten Reiseimpfungen (typischerweise 200–400 $ pro Dosis, 400–1.200 $ für eine vollständige Praeexpositionsserie). Stellen Sie dies den Kosten einer Postexpositionsbehandlung im Ausland ohne PrEP gegenueber: RIG allein kann 1.000–5.000 $ kosten und ist möglicherweise schlicht nicht verfügbar.

Kostenspartipp: Intradermale Impfung

Manche Kliniken bieten intradermale (ID) Tollwutimpfung an, die eine kleinere Dosis verwendet (0,1 mL vs. 1,0 mL IM) und die Kosten um 60–80 % reduzieren kann. Die WHO befuerwortet die ID-Verabreichung. Fragen Sie Ihre Reiseklinik, ob sie diese Option anbietet.

Was tun nach einem Tierbiss im Ausland

Notfallmaßnahmen nach Tierbiss

  1. 1

    Schritt 1: Wunde sofort waschen (15+ Minuten)

    Dies ist die wichtigste Erste-Hilfe-Massnahme. Waschen Sie die Wunde gruendlich mit Seife und fliessendem Wasser für mindestens 15 Minuten. Tragen Sie dann Povidon-Jod (Betadine) oder 70 % Alkohol auf. Dies allein kann das Tollwutrisiko erheblich reduzieren — Tierstudien deuten auf eine bis zu 90 %ige Reduktion hin, und die WHO empfiehlt es nachdrucklich als wichtigste Erste-Hilfe-Massnahme.

  2. 2

    Schritt 2: Expositionskategorie bewerten

    WHO-Kategorie I (Beruehren/Fuettern, Lecken auf intakter Haut): Kein PEP erforderlich. Kategorie II (leichte Kratzer ohne Blutung, Lecken auf verletzter Haut): PEP erforderlich (nur Impfstoff bei vorheriger Impfung). Kategorie III (Bisse, Kratzer mit Hautverletzung, Lecken auf Schleimhaeuten): PEP dringend erforderlich (Impfstoff + RIG bei Ungeimpften).

  3. 3

    Schritt 3: Innerhalb von 24 Stunden medizinische Hilfe suchen

    Gehen Sie zum nächsten Krankenhaus oder zur nächsten Klinik für PEP. Wenn Sie praeexpositionell geimpft wurden: Sie benötigen 2 Auffrischungsdosen (Tag 0 und 3). Wenn Sie NICHT praeexpositionell geimpft wurden: Sie benötigen den vollständigen Kurs (4–5 Dosen) PLUS Tollwut-Immunglobulin (RIG), das um die Wunde injiziert wird.

  4. 4

    Schritt 4: Botschaft und Versicherung kontaktieren

    Wenn zuverlässiges PEP vor Ort nicht verfügbar ist, müssen Sie möglicherweise in eine Grossstadt oder sogar ein anderes Land reisen. Ihre Reiseversicherung sollte den medizinischen Notfalltransport abdecken. Kontaktieren Sie Ihre Botschaft für die nächstgelegenen empfohlenen Einrichtungen.

Behandlung niemals verzoegern

Warten Sie NICHT, bis Symptome auftreten. Tollwut hat eine Inkubationszeit von Wochen bis Monaten, aber sobald Symptome beginnen, ist es zu spaet. Beginnen Sie sofort mit der Wundwaesche und suchen Sie innerhalb von 24 Stunden PEP auf. In abgelegenen Gebieten starten Sie PEP wo immer verfügbar — auch eine unvollkommene Behandlung ist besser als keine.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich durch einen Affenkratzer Tollwut bekommen?

Ja. Affenkratzer werden als WHO-Kategorie-II- oder -III-Exposition eingestuft, je nachdem, ob die Haut verletzt ist. Affen können Tollwut uebertragen, und ihre Haende sind oft durch die Fellpflege mit Speichel kontaminiert. Tempelaffen auf Bali, in Angkor Wat und Indien sind eine häufige Quelle für Reisende-Expositionen.

Ist die Tollwutimpfung schmerzhaft?

Moderne Tollwutimpfstoffe (Zellkultur-basiert) werden gut vertragen. Schmerzen an der Injektionsstelle sind die häufigste Nebenwirkung. Die älteren Nervengewebe-Impfstoffe (die schwere Reaktionen verursachten) werden in einigen Entwicklungsländern noch verwendet — die Praeexpositionsimpfung bedeutet, dass Sie im Expositionsfall nur 2 Auffrischungsdosen des modernen Impfstoffs benötigen.

Brauche ich die Impfung für nur eine 2-woechige Reise?

Die Reisedauer bestimmt nicht das Tollwutrisiko — ein einzelner Affenbiss am Tag 1 ist genauso gefaehrlich wie einer am Tag 30. Wenn Ihre Reiseroute Tempel mit Affen, ländliche Gebiete mit streunenden Hunden oder Reiseziele mit eingeschränktem medizinischen Zugang umfasst, lohnt sich die Praeexpositionsimpfung unabhängig von der Reisedauer.

Besteht auf Bali ein Tollwutrisiko?

Ja. Indonesien hat seit 2008 Tollwut auf Bali bestätigt. Der Affenwald von Ubud ist ein Hotspot für Affenbisse und -kratzer. Die praeexpositionelle Tollwutimpfung wird für alle Bali-Besucher dringend empfohlen, die planen, Affen zu beruehren oder in deren Nähe zu sein.

Weiterführende Lektüre

Wichtiger Hinweis

Medizinischer Haftungsausschluss

Diese Informationen dienen ausschließlich zu Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Tollwut ist eine toedliche Krankheit — wenn Sie in einem Tollwut-Endemiegebiet von einem Tier gebissen oder gekratzt werden, suchen Sie unabhängig von Ihrem Impfstatus sofort ärztliche Hilfe. Konsultieren Sie immer einen Reisemediziner für personalisierte Beratung.

Quellen: WHO-Positionspapier zu Tollwutimpfstoffen (2018), WHO-Expertenkonsultation zu Tollwut — Technischer Bericht (2018), CDC Yellow Book 2026, Lancet Infectious Diseases 2024: Global Burden of Rabies. Zuletzt aktualisiert: Maerz 2026.

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